Tipps zum Anweiden

31. März 2021
Der Frühling steht unmittelbar vor der Tür und der Start der Weidesaison wird sehnsüchtig erwartet. Elementar für einen guten Weidestart ist ein langsames Anweiden, damit sich der gesamte Verdauungsapparat des Pferdes auf das Weidegras umstellen kann.

Aber wann ist überhaupt der richtige Zeitpunkt zum Anweiden?
Der Startzeitpunkt zum eigentlichen Anweiden fällt mit der Vegetationshöhe auf der Weide. In diesem Zusammenhang kann man sich ganz einfach an der „Bierflaschenhöhe“ orientieren. Die Vegetation sollte dann eine Höhe von 15-20 cm haben. Zeitlich spricht man von einem Zeitraum von Mitte April bis Mitte Mai, aber auch dies ist sehr variabel und abhängig von Wetter und Standort.

Doch warum genau ist das Anweiden so wichtig und worauf sollte geachtet werden?
Da in der Stallhaltung häufig mit der Heufütterung gearbeitet wird und auf der Weide selbstverständlich Gras als Grundfutter gilt, sollte diese Grundfutterumstellung langsam vorgenommen werden. Der gesamte Verdauungstrakt des Pferdes muss sich neu anpassen – geschieht dies zu schnell, kann es schnell zu Problemen im Stoffwechsel kommen. Solche Probleme zeigen sich in Verdauungsstörungen wie z.B. Durchfall, Kotwasser bis hin zu größeren Stoffwechselproblemen wie z.B. Hufrehe.
Früher wurde davon ausgegangen, dass ein hoher Eiweißgehalt im jungen Gras für die Stoffwechselprobleme verantwortlich ist. Nach heutigen Erkenntnissen sind es aber vielmehr die Fruktane im jungen frischen Weidegras, die in zu hoher Menge negativ auf den Organismus wirken können. Die Fruktanmenge variiert je nach Jahres- und Tageszeit, Witterung, Außentemperatur Vegetationsperiode, Pflanzenart sowie dem Weidemanagement. Besonders an sonnigen Tagen im Frühjahr, in denen es aber nachts dennoch recht frostig ist, ist der Fruktangehalt im Gras sehr hoch, da der Nachtfrost das Wachstum der Pflanze hemmt. Die überschüssige Energie wird in Form von Fruktanen in der Pflanze gespeichert und wird im Verlauf des Tages dann für weiteres Wachstum von ihr genutzt. In diesem Vorgang sinkt der Fruktangehalt deutlich ab.
Fruktane sind Polymerisate der Fruktose, also langkettige Zuckermoleküle, die in Pflanzen als Speicherstoff dienen. Den Dünndarm des Pferdes passieren diese unverdaut und werden erst im Dickdarm weiter verarbeitet. Dazu werden die Fruktane von Mikroorganismen fermentiert. Bei diesem Prozess entsteht Milchsäure, die zu einem Absinken des pH-Wertes beiträgt.
Wenn der pH-Wert zu stark in den sauren Bereich absinkt kann die Darmflora geschädigt werden, da andere wichtige Bakterien, wie z.B. die faserverdauuenden Bakterien in dem sauren Milieu nicht überleben können und absterben. Daraufhin werden Endotoxine, also Gifte, freigesetzt, die über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und dann gemeinsam mit der Übersäuerung des gesamten Körpers zu einer Entzündung im Huf und damit zur Hufrehe führen können.
Ein kontrolliertes Anweiden kann die Umstellung der Darmflora unterstützen und Stoffwechselproblemen vorbeugen.




Wie sollte während des Anweidens gefüttert werden?
Es ist darauf zu achten, dass beim Anweiden nicht direkt von Heute auf Morgen das Heu weggelassen werden sollte. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist aufgrund der Heu- und Strohfütterung im Winter noch darauf ausgelegt, faserreiche und eher kohlenhydratarme Nahrung mit der Hilfe von darauf ausgelegten Bakterien zu verdauen. Diese haben sich darauf spezialisiert, zellulosereiche Inhaltsstoffe in verwertbare Bestandteile zu zersetzen. Das Gras ist hingegen wasser-, kohlenhydrat- und proteinreich, weshalb sich die Darmflora dementsprechend komplett neu anpassen muss. Denn nur so hat die empfindliche Darmflora genügend Zeit, sich an das neue Futter zu gewöhnen. Bestenfalls sollte mit einem Weidegang von 15 – 20 min in den Nachmittagsstunden begonnen werden. Hier ist der Fruktangehalt, wie oben erklärt, niedriger als in den Morgenstunden. Dann kann die Weidezeit täglich um einige Minuten verlängert werden. Nach den ersten zwei Wochen können auch vormittags kurze Weideeinheiten dazukommen. Der Pferdeorganismus und vor allem die Mikroflora im Darm braucht in etwa 4 Wochen für die Umstellung auf Gras, danach können die Pferde also für mehrere Stunden auf die Weide. Lässt man sich nicht genügend Zeit mit dem Anweiden, kann sich die oben beschriebene Darmflora nicht richtig anpassen und die Bakterien im Dickdarm sind noch nicht in der Lage, das neue Futter vollständig aufzuschließen. Als Folge können schwerwiegende Verdauungsstörungen auftreten.
Damit die Verdauung des Pferdes bestens unterstützt werden kann, empfehlen wir unser Ludgers N FLORA |PULVER. Dieses enthält prä- und probiotische Verdaulichkeitsförderer, wodurch die natürliche Darmflora unterstützt werden kann, indem die „erwünschten“ Bakterien im Wachstum unterstützt werden. So kann das Gleichgewicht der Darmflora einfacher wiederhergestellt werden.

Wie sollte das Anweiden bei Pferden ablaufen, die ohnehin schon mit dem Stoffwechsel zu kämpfen haben?
Besonders bei dickeren und / oder leichtfuttrigeren Pferden und Ponys sollte die Anweidezeit über einen noch längeren Zeitraum erfolgen. Es sollte darauf geachtet werden, dass lediglich die Nachmittagsstunden zum Anweiden genutzt werden, da der hohe Fruktangehalt im morgendlichen Gras eine zusätzliche Gefahrenquelle darstellt. Dadurch kann der Insulinspiegel im Blut des Pferdes stark ansteigen und besonders bei Pferden, die ohnehin schon zu Hufrehe neigen, hat dies oftmals schlechte Folgen. Hier sollte in Erwägung gezogen werden, eine ganztägige Weidehaltung auszuschließen und den Weidegang auf einige Stunden zu reduzieren, damit es nicht zu diesen Erkrankungen kommen kann. Allerdings sollte beachtet werden, dass eine verkürzte Weidezeit nicht immer auch eine geringere Grasaufnahme bedeutet. In Studien wurde gezeigt, dass Pferde mit begrenzter Weidezeit in der gleichen Zeitspanne mehr Gras aufnahmen, als Pferde, die 24 Stunden auf der Wiese standen. Deswegen kann zusätzlich auch mit einer Fressbremse gearbeitet werden, über die das Pferd im ersten Moment sicherlich nicht glücklich ist, aber die Weidezeit für dieses Pferd dann doch verlängert werden kann. Denn nur so kann die Aufnahme von Gras etwas gebremst werden, wenn man das Pferd oder Pony nicht nach wenigen Stunden wieder reinholen möchte.
Ein Tipp von uns: Unsere Ludgers N Flohsamenschalenpellets können unterstützend zur Regulation des Insulinspiegels eingesetzt werden.

Wie sollte in der Zeit des Anweidens gefüttert werden?
Um ein zu hastiges Fressen von Gras vorzubeugen, sollte vor dem Weidegang ausreichend Heu gefüttert werden, damit der erste Hunger des Pferdes gestillt ist und die Pferde nicht zu gierig das frische junge Gras fressen. Auch die Kraftfuttergabe sollte nicht direkt vor dem Weidegang erfolgen, um zu vermeiden, dass noch mehr leichtverdauliche Kohlenhydrate auf einmal im Verdauungstrakt verarbeitet werden müssen.
Kommen die Pferde nach dem kurzen Weidegang wieder zurück in den Stall, sollte auch hier zuerst eine Heuversorgung sichergestellt werden, da der niedrige Rohfasergehalt im jungen Gras zunächst durch ein hochwertiges Heu ausgeglichen werden sollte. Hilfreich ist hier auf die lange Sicht auch eine Heuraufe auf der Weide, damit Möglichkeit für die Aufnahme von strukturierterem Futter auch auf der Weide gegeben ist. Selbstverständlich sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob die Wasserversorgung der Pferde mit frischem sauberen Wasser sichergestellt ist. Wenn keine Selbsttränken installiert sind, sollten immer Eimer mit frischem Wasser vorhanden sein. Denn Pferde, die keinen kontinuierlichen Zugang zu frischem sauberen Wasser haben, sind deutlichanfälliger für Koliken.
Da weder in Gras, noch in Heu immer alle wichtigen Mineralstoffe enthalten sind, ist es wichtig die Pferde das ganze Jahr über mit einem passenden Mineralfutter zu versorgen. Nur so können die Defizite der reinen Gras- bzw. Heufütterung ausgeglichen werden. Hierfür eignen sich hervorragend unsere Ludgers N OLIGOVIT MINERAL | PELLETS.