Aus Überzeugung

Von der Flora und Fauna des Darmes …

Früher oder später bekommt wohl jeder Pferdebesitzer den Tipp Hefen zu füttern. Doch wann der Einsatz welchen Produktes Sinn macht und welche Voraussetzungen gegeben sein sollten, ist dabei oft unklar.
Hefen kommen in erster Linie im Zusammenhang mit Darmbeschwerden zum Einsatz. Verdauungsprobleme, wie Durchfall, Kotwasser oder Blähungen, machen auf ein mögliches Darmproblem aufmerksam. Oft sind die Pferde zusätzlich in ihrem Allgemeinbefinden beeinträchtigt, weisen stumpfes Fell auf und sind aufgrund latenten Unwohlseins unrittig.
Hinter diesen Symptomen steckt nicht selten eine so genannte Dysbiose. Der Begriff beschreibt den Umstand einer ungenügenden Anzahl, Qualität und Fehlverteilung von Mikroorganismen in der Darmflora.
Bevor man sich auf die Suche nach Abhilfe begibt, sollte die Grundversorgung des Pferdes überdacht und gegebenenfalls optimiert werden, denn gegen eine mangelhafte Fütterung, mit zum Beispiel zu wenig und/oder minderwertigem Heu, kann das beste Lebendhefeprodukt nicht ankommen.
Stimmt die Grundversorgung mit ausreichend bemessener Heuration und vitaminisiertem Mineralfutter oder leistungsangepasster Kraftfutterration, gibt es dennoch gewisse Umstände, die mitunter zu Darmproblemen führen. Stressige Situationen oder die Gabe bestimmter Medikamente, wie z.B. Antibiotika oder Wurmkuren, können der Grund sein. Natürlich gehören diese Faktoren mehr oder weniger zum Leben unserer Pferde dazu – die negativen Auswirkungen auf die Darmflora können aber sehr effektiv mit Hilfe von Prae- oder Probiotika abgefangen werden und somit Darmbeschwerden vorbeugen oder entgegenwirken.
Praebiotika
Besonders bekannt für diese Funktion sind Bierhefe und Biertreber. Beide werden für die Verwendung im Pferdefutter gerne gemischt, da der Biertreber den eher unangenehmen Geschmack der Hefe neutralisiert und beides so besser aufgenommen wird. Bierhefe enthält eine Vielzahl an wichtigen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, wobei der hohe Gehalt an Biotin und der Darmbakterien anregenden B-Vitaminen besonders hervorzuheben ist. Problematisch allerdings ist die Dosierung, da sie, um Vorteile in der Fütterung zu erhalten, nur schwer ermittelbar ist. Zu niedrig dosiert ist der Wirkeffekt nahezu unbedeutend. Zu hoch dosiert verhindert die in Bierhefe enthaltene Phytinsäure die Aufnahme wichtiger Vitalstoffe, wie Zink, Kupfer oder Eisen. Der hohe Vitamin- und Mineralstoffgehalt kollidiert zudem häufig mit dem des Grundfutters, führt in der Folge zu einer Überversorgung und schafft somit eine neue Baustelle. Die Grenze zwischen „zu viel“ und „zu wenig“ ist somit kaum definierbar.
Probiotika
Im Gegensatz zu den nicht lebenden Praebiotika steht die Bezeichnung Probiotika für lebensfähige Mikroorganismen, die aktiv stabilisierend und mehrend auf die Darmflora einwirken. Futtermittelrechtlich ist EU-weit ausschließlich die Lebendhefe „Saccharomyces cerevisiae“ als Probiotikum für Pferde zugelassen, da die positiven Wirkeigenschaften dieses Lebendhefestammes ausreichend erforscht und nachgewiesen sind. Die Beschränkung seitens des Gesetzgebers beugt eventuellen negativen Auswirkungen durch den unkontrollierten Einsatz von lebenden Mikroorganismen vor. Möglich wären zum Beispiel negative Einflüsse auf Blutzellen, eine Aktivierung krebserregender Substanzen oder die Übertragung von Resistenzfaktoren auf andere Mikroorganismen.
Unter dem Begriff „Saccharomyces“ wird die große Gattung der Hefepilze zusammengefasst. Allerdings ist Hefepilz nicht gleich Hefepilz, denn die einzelnen Formen haben mitunter ganz unterschiedliche Eigenschaften.
Die eigens für die Fütterung hergestellten Lebendhefen sind nicht mehr vermehrungsfähig womit durch Gärung verursachte Verdauungsbeschwerden ausgeschlossen werden. Lebendhefen sorgen für eine deutlich verbesserte Faserverdauung im Darm. Besonders in Zeiten von Futterumstellungen, An- oder Abweiden, wird die Darmflora stabilisiert und Verdauungsproblemen vorgebeugt. Das ausgewogene Verhältnis der Mikroorganismen untereinander sowie ein dichter Bakterienrasen werden durch die Zufütterung von Lebendhefen deutlich unterstützt und helfen eine intakte Barrierefunktion der Darmschleimhaut gegen Keime und Krankheitserreger aufrecht zu erhalten. Auf diese Weise wird das Immunsystem aktiv gestärkt, denn nahezu 80% aller Immunzellen sind im Darm beheimatet und benötigen zur Aufrechterhaltung eines gesunden Organismus ein intaktes Darmmillieu. Nicht umsonst prägte schon Paracelsus (1493–1541) den Satz: der Tod sitzt im Darm!
Backhefen
Leider werden häufig immer noch Backhefen als Probiotika verwendet, welche jedoch für die Pferdefütterung gänzlich ungeeignet sind. Bei ihnen handelt es sich zwar um vermeidlich hilfreiche Lebendhefen, doch sind diese in der Lage sich zu vermehren! Und egal, ob man sich für den Hefewürfel aus dem Kühlregal oder ein Päckchen Trockenhefe entscheidet - beide haben die unangenehme Eigenschaft bei ihrer Vermehrung große Mengen CO2 sowie Alkohol zu bilden und sorgen damit für massive Blähungen bis hin zu kolikartigen Symptomen.
Lebendhefeprodukte
Nur drei europäische Unternehmen haben die Erlaubnis die in Futtermitteln verwendete Lebendhefe herzustellen und deklarieren diese auf ihren Produktverpackungen als: Lebendhefe Saccharomyces cerevisiae. Darauf, und auf die Mengenangabe der KBEs (kolonienbildende Einheiten), sollten Sie beim Kauf eines Lebendhefeproduktes achten, da die Fütterung eines Probiotikums nur dann Sinn macht, wenn es auch ausreichend hoch dosiert ist.
Ludgers N FLORA | PULVER
Der Hauptbestandteil von Ludgers N FLORA | PULVER ist die Lebendhefe Saccharomyces cerevisiae. Bewusst wird auf vitamin- und vitalstoffreiche Zusätze verzichtet, da dieser Bedarf über eine ausgewogene Grundernährung mit ausreichenden Heumengen, ergänzt durch Kraft- oder vitaminisierte Mineralfutter, abgedeckt werden sollte. Auf diese Weise ist es möglich die Nährstoffzufuhr seines Pferdes zu überblicken und gezielt ausschließlich die gewünschten Wirkstoffe zuzusetzen.